Atempsychotherapie und Körperpsychotherapie

 

In Kürze:

 

Das Selbst in der Atempsychotherapie drückt sich durch den tief zugelassenen, bewusst erlebten, ureigenen Atem aus. Es ist ein lebendiger, freier Atem, in dem sich der Mensch ausdrückt, so wie er ist und nicht, wie er sein sollte, also ohne Anpassungen und ohne Forderungen an ihn. Alle Empfindungen, Gefühle, Gedanken, Bilder und Bewegungsimpulse werden liebevoll wahrgenommen und akzeptiert, ohne sich damit zu identifizieren.

Der Atem verbindet also Unbewusstes und Bewusstes und hilft, Unbewusstes wieder ins Bewusstsein zu bringen. Durch das Fördern der Wahrnehmung vom eigenen Atem lernt man die eigenen unbewussten Reaktionen kennen und spürt die damit verbundenen Verletzungen wieder.

 

Atem - Ein Weg zu Sich Selbst

 

Das Ziel der Atem- und Körperpsychotherapie ist, im Sinne der Jung‘schen Individuation, eine Annäherung des Ichs an die Tiefe, das Selbst des Menschen, aus dem sein ureigener Atemrhythmus zugelassen werden kann. Dies ist ein lebendiger, freier Atem, ohne Vorstellungen, wie er sein müsste, ohne Anpassungsleistung und Forderungen. Der bewusste zugelassene Atem ist der Repräsentant des Selbst und die Verbindung zum Ich. Den Atem frei zulassen können, ohne ihn zu kontrollieren, und dies auch im Alltag und in verschiedenen Beziehungssituationen, ist ein Entwicklungsweg der Jahre dauert. Personen, die zu mir kommen ist der Atem (d.h. die Atembewegung, die Qualität von Einatem, Ausatem, Atempause, etc.) oft nicht bewusst. Die Wahrnehmung ist dann auf die Empfindung der Druckwelle des Atems z.B. auf den Oberbauch oder auf den Brustbereich beschränkt, da die im Körpergedächtnis gespeicherten Informationen zu schmerzhaft sind.

 

Entwickeln einer starken Persönlichkeit und Annehmen was ist

 

In der Atempsychotherapie geht es nicht darum, etwas anders oder besser haben zu wollen, sondern ums liebevolle Wahrnehmen dessen, was ist, ohne es zu beurteilen. Man stellt sich damit der eigenen Wahrheit. Dazu braucht es eine starke Ich-Kraft. Diese ist in der heutigen Gesellschaft oft eher schwach ausgeprägt. Darum führt der Weg hier zuerst über Struktur-, Grenz- und Widerstandsarbeit zur Ich-Stärkung: D.h. Schritt für Schritt zur Wahrnehmung des Körpers, des Atems und der anderen Sinneswahrnehmungen. Später wird die Aufmerksamkeit auch auf die anderen Bewusstseinsfunktionen gelenkt. Widerstände werden aufgenommen, ausgedrückt und dadurch auch der Raum für Gefühle und die damit verbundenen Verletzungen und Bedürfnisse vorsichtig geöffnet. Abgrenzung wird möglich. Mit einem starken Ich gelingt Hingabe ohne Selbstaufgabe, was beispielsweie auch bei der Meditation unerlässlich ist.

 

Der Atem als Ausdruck der Persönlichkeit

 

Der Atem – und damit auch die eigene Persönlichkeit – passt sich der jeweilig äusseren und inneren Situation an. Er ist vielfach eingeengt, verhalten, darf keinen Raum einnehmen und ist zögerlich. Die Anpassungsleistung zeigt sich im Atem. In der Atem- und Körperpsychotherapie wird daran gearbeitet, dass diese unbewusste Verhaltensweise bewusst wird. Es braucht jedoch Zeit, bis der Mensch innerlich erfahren kann, dass er mit dem eigenen Atem, der alles Erleben in sich vereint, verbunden ist und dass er es ist, der atmet. Er muss dazu in einen realen körperlich-seelischen Bezug zu sich treten. Auch dieser Prozess wird in der Atem- und Körperpsychotherapie unterstützt.

 

Für wen eignet sich Atem- und Körperpsychotherapie:

Atem- und Körperpsychotherapie ist ein tiefenpsychologisches Verfahren und eignet sich für alle, die den Weg zu ihrem Innersten Kern antreten möchten. Der bewusst zugelassene Atem dient dabei als Zugang zum Unbewussten, zum Selbst als anordnendes, ganzmachendes und heilendes Prinzip. Dabei lernst du anzunehmen, was ist, ohne gleich etwas ändern zu müssen oder perfekt sein zu müssen.

Vielleicht hast du Lebensfragen, die du dir selbst noch nicht beantworten konntest?

Hast du das Gefühl, dass du dich selbst oder deine innersten Wünsche nicht mehr wahrnehmen kannst?

Möchtest du auch im Kontakt zu andern Menschen und in Beziehungen mehr bei dir bleiben und dich selbst sein können?

Möchtest du emotionale Verletzungen verarbeiten, die noch frisch oder bereits uralt sind?

Möchtest du deine Ängste überwinden?

Möchtest du frei und trotzdem eng verbunden sein?

 

© Anita Rieder: Auszug aus "Atempsychotherapie als körperpsychotherapeutisches Verfahren " in der Publikation "Atem der ich bin", herausgegeben von Stefan Bischof, Brigitte Obrecht Parisi und Anita Rieder.